Ein kleines Häuflein war es, das im Herbst 1951 die Sektion Schwimmen in der Hochschulsportgemeinschaft der Technischen Universität gründete (HSG TU Dresden). Aus einer studentischen Schwimmgruppe entstand damit eine Gemeinschaft, die viele Jahre zielstrebig für die Entwicklung des Schwimmsportes in Dresden wirkte. Erster Sektionsleiter war für zehn Jahre Reiner Bilkenroth, bis ihn 1961 berufliche Aufgaben abriefen. Technischer Leiter war von der ersten Stunde an bis zu seinem Tode 1984 unser von allen geschätzter Sportsfreund Werner Hölzel.
Gemeinsam mit weiteren Sportsenthusiasten wie u. a. den Sportsfreunden Bohnstedt, Blumensaat und Handtke bauten sie eine Gemeinschaft auf, deren Name in Dresden und Umgebung für sportliche Qualität stand. Obwohl die Trainingsmöglichkeiten in Dresden nach dem Kriege mehr als bescheiden waren - es standen nur das Sachsenbad, das Nord - und das Hebbelbad zur Verfügung - konnten bereits damals beachtliche Ergebnisse erreicht werden. Die Studenten holten jedes Jahr mehrere Titel bei den Bezirksmeisterschaften und unsere Wasserballmannschaft spielte bereits gegen Ende der 50er Jahre in der höchsten Spielklasse des Bezirkes. Mit dem Beschluß des Deutschen Turn – und Sportbundes (DTSB), den Wasserball nicht mehr als Hochleistungssport zu fördern, wechselten vom Sportclub Einheit (SC Einheit) einige gute Spieler zur HSG TU Dresden. Reiner Bilkenroth und Dieter Struffmann waren in den sechziger Jahren die Kämpfer für den Wasserballsport in Dresden. Bei nur 3 bis 4 Hallenstunden in der Woche war es damals schon schwer, alle Schwimmer und Wasserballinteressenten unter einen Hut zu bekommen. Aber damals war sich niemand zu schade auch in den Freibecken der Dresdener Bäder zu trainieren oder Wettkämpfe zu absolvieren. Die TH/TU – Schwimmer übten beispielsweise im Arnhold – Bad (den älteren Dresdnern als Stadtpfütze bekannt) und im Freibad Mockritz, die BSG Aufbau Mitte und Motor TuR trainierten in Bühlau und Empor Löbtau schwamm in der "Hebbel – Pfütze". Und ein Schwimmwettkampf oder ein Wasserballspiel im eiskalten Wasser des Waldbades Klotzsche oder im Schwimmbad Bühlau machte sogar allen Beteiligten Spaß. Mit der Gründung des SC Einheit erhielt die Stadt Dresden zwar auch noch die Schwimmhalle Marienallee zurück, die aber ausschließlich dem Hochleistungssport zur Verfügung stand.
Unter diesen Bedingungen war die Sektion Schwimmen der HSG TU Dresden mit ihren 150 bis 170 Sportlern in den 50er und in den sechziger Jahren eine kleine, aber feine und leistungsstarke Mannschaft. Mir liegt ein Rechenschaftsbericht aus dem Jahre 1969 vor, nach dem die Sektion 174 Mitglieder hatte - bei einem "gewaltigen Finanzbudget von 3700 Mark". 1200 Mark mußten dabei die Mitglieder mit ihren Beiträgen – Pfennigbeträge – selbst erwirtschaften. Der Rest waren staatliche Fördergelder. Sehr große Sprünge (z.B. Wettkämpfe) konnten damit kaum gemacht werden. Aber immerhin hatte die Sektion damals schon einen umfangreichen Wettkampf – und Spielbetrieb zu bestreiten. Höhepunkte waren dann auch Vergleiche mit den Unis München (1960), Prag und Wroclaw.
Organisiert wurde das alles von vielen Ehrenamtlern in der Leitung und bei den Übungsleitern. 1969 konnte die Sektion Schwimmen auf 27 ausgebildete Übungsleiter (ÜL) verweisen, von denen 13 fest eingesetzt waren. Allerdings benötigte man für eine ÜL – Lizenz lediglich 15 bis 30 Ausbildungsstunden.
1969 erhielt Dresden mit einem Mal zwei Schwimmhallen: Die Schwimmhalle am Freiberger Platz und die Volksschwimmhalle Steinstraße. Die Traningsgruppe Werner Schnabel und andere wechselten beispielsweise aus der Springerhalle gleich nebenan in die neue Schwimmhalle. Durch die neuen Hallen verbesserten sich die Trainingsmöglichkeiten für alle Vereine, auch wenn der SC Einheit für den Leistungssport die meisten Bahnen beanspruchte. Anfangs standen uns drei Abende in der Schwimmhalle "Freiberger" zur Verfügung; der Mittwoch im Sachsenbad gehörte unseren Wasserballern und zielstrebig konnte unser Sportsfreund Werner Hölzel die uns heute so geläufigen Frühschwimmzeiten durchsetzen, die damals durch die Sportlehrer des Institutes für Hochschulsport betreut wurden. Ergebnis dieser Bemühungen waren nicht nur sprunghaft gestiegene Mitgliederzahlen, sondern auch eine enorme Leistungssteigerung unserer damaligen Sektion Schwimmen.
Jetzt zahlte sich aus, daß genügend ÜL in den vorangegangenen Jahren ausgebildet worden waren. In einer Aufstellung von 1974 waren es 46 Übungsleiter. In dieser Liste fand ich Namen, die uns auch heute noch vertraut sind: Regina Zimmermann, Ilona Köhler (heute Kaiser), Werner Schnabel, Günther Tschernko und andere. Neu entstandene Kindergruppen und Breitensportgruppen hatten damit engagierte Betreuer.
Es begann die große Zeit der FDGB – Pokale für die HSG TU Dresden: 1970 durften wir das erste Mal den Endkampf dieses Staffelpokales ausrichten. Als Ausrichter waren wir startberechtigt und bei den Damen und Herren belegten wir jeweils einen dritten Platz. Von da an waren wir in jedem Jahr wenigstens mit einer Mannschaft im Endkampf dabei. Insgesamt fünf Mal wurde der Pokal von uns nach Dresden geholt . Die von der Herrenmannschaft der TU Dresden 1986 in Rathenow aufgestellte Rekordzeit besteht noch heute.
Eine Idee vom Badleiter des Stauseebades Cossebaude Peter Joffrey und von Andreas Heinz begründete eine neue Tradition – den Kampf um den Stauseepokal. Am 17. Juli 1976 wurde dieser schöne Wettkampf aus der Taufe gehoben Bild 5 zeigt den ersten Start, dem noch viele folgen sollten. In der Universitätszeitung 16/76 konnte ein erster Bericht über den Wettkampf der ersten Veranstaltung veröffentlicht werden; Gewinner bei den Senioren waren Sportler der HSG TU Dresden:
Herren 25 – 29 Jahre – 3 km
1. Dr. Werner Schnabel 49:20 Minuten.
2. Peter König 53:52 Minuten
Damen 19 - 24 Jahre – 2 km
1. Regina Zimmermann 37:31 Minuten
2. Renate Heinz 45:21 Minuten
Damit erkämpfte sich die HSG TU den ersten Pokal in der Geschichte des Stauseepokales mit 206 Punkten und 25 Teilnehmern aus unserer Sektion. Ins Wasser waren insgesamt 201 Akteure aus 20 Gemeinschaften bei 31 Grad im Schatten und 23 Grad Wassertemperatur gegangen! 234 Begeisterte schwammen anschließend noch die 400 m Meile, darunter viele Zuschauer der vorangegangenen Wettkämpfe. Die große Siegestorte wurde gemeinsam aufgegessen.
In den siebziger Jahren stieg in der Sektion Schwimmen der Anteil an Studenten stetig an und dieser Trend wurde durch eine Festlegung des Institutes für Hochschulsport unterstützt, die Mitarbeit im Verein als Teilnahme am damaligen Pflichtunterricht Sport anzuerkennen und dafür die Testate zu erteilen; heute müssen wir leider eine sinkende Tendenz des Studentenanteils in der Abteilung Schwimmen des USV TU-Dresden registrieren.
Mit Unterstützung der Technischen Universität konnten mehrfach nun auch in Dresden Studentenmeisterschaften stattfinden, aber auch Vergleiche mit Hochschulen und Universitäten in Warschau, Prag, Leningrad, Sofia und Wroclaw und brachten allen Teilnehmern freundschaftliche Kontakte und erlebnisreiche Stunden.
Auch den Jüngsten wurde viel Kraft und Zeit gewidmet. Kindergartengruppen wurden durch Sportsfreunde der Sektion betreut und über Schwimmlerngruppen kamen die Kinder von Universitätsangehörigen in unsere Sektion und das der HSG TU angeschlossene Trainingszentrum betreute zeitweise bis zu 250 Nachwuchsschwimmer.
Im Rechenschaftsbericht zur Sektionswahl 1989 konnte die Leitung auf ca. 500 Mitglieder verweisen und der Jahresetat bewegte sich um immerhin 12 000 Mark. 19 ÜL und zwei Sportlehrer waren vertraglich als Übungsleiter gebunden, 7 ÜL standen als Vertreter zur Verfügung. Dazu kamen noch die ÜL des Trainingszentrums, das inzwischen eine selbständige Institution in der Hochschulsportgemeinschaft geworden war.
Mit der politischen Wende 1989 wurde auch der Sport neu geordnet: Aus der HSG TU Dresden wurde der Universitätssportverein Technische Universität Dresden e.V. (USV TU Dresden e.V.). Die Rahmenbedingungen hatten sich drastisch geändert, aber der USV TU Dresden bildete eine starke Solidargemeinschaft, in der wir uns aufgehoben fühlen. Anders erging es vielen kleineren Vereinen in unserer Stadt. Sie verloren ihre Trägerbetriebe, die vor den Herbstereignissen des Jahres 1989 die finanzielle Absicherung der Sportgemeinschaften übernommen hatten. So traten 1990 Vertreter von Aufbau – Dresden Mitte an den USV TU Dresden heran und traten geschlossen mit ihrer Sektion Schwimmen der Abteilung Schwimmen des USV bei. Die Sportler dieser traditionsreichen bereits 1949 gegründeten Gemeinschaft erwiesen sich für unseren Verein als eine echte Bereicherung: Viele engagierte ÜL ersetzten die in den Wendezeiten ausgetretenen Sportsfreunde und konnten die von diesen begonnene Arbeit zielstrebig fortführen.
Neue Impulse und Herausforderungen kamen auf unsere Abteilung Schwimmen zu. Der Umfang an angebotenen Trainingszeiten wurde größer und damit verbunden mögliche Übungsangebote für alle Mitglieder. Der Wettkampfbetrieb wurde durch neue Zielstellungen erweitert: Nun reisten auch die Senioren zu internationalen Meisterschaften. Unser erster Weltmeister war Werner Engelmann. Europameistertitel und beachtliche Plazierungen bei Europa – und Weltmeisterschaften kamen hinzu. Neue Partner fanden wir in Schwäbisch – Hall, in Kulmbach, Ingelheim und Goslar. Unsere Wasserballer spielen in der höchsten Spielklasse Sachsens – in der Sachsenliga. Im Kinderbereich konnten einige Kinder die Kadenormen erfüllen, wir wurden Talentestützpunkt und konnten 13 Kinder als E – Kader delegieren und einige Kinder besuchen das Sportgymnasium.
1992 orientierten wir uns auf den Breitensport als Schwerpunkt unserer Arbeit. Das war eine kluge Entscheidung, die in Dresden zu mehr Akzeptanz unseres Vereines führte. Die mit der Durchführung des Stauseepokal gewachsenen Traditionen wurden nicht nur fortgesetzt, sondern führten uns folgerichtig zum Sundschwimmen und anderen Langstreckenveranstaltungen.
Mit der Organisation der Deutschen Hochschulmeisterschaften konnten wir 1996 deutschlandweit Lob "einheimsen". Neue Veranstaltungen wie der Plüschtierpokal und der WTC Masters Pokal wurden ins Leben gerufen. Jedes Jahr konnten wir seitdem mehr Teilnehmer gewinnen und in Dresden begrüßen.
Seit fünf Jahren wird nach einer Unterbrechung wieder Wasserball gespielt: Das Team um Harry Krause wollte eigentlich verhindern, daß die 15 – und 16jährigen das Interesse am Schwimmsport verlieren. Heute spielen drei Jungenmannschaften und eine Mädchenmannschaft für unseren Verein in Sachsen. Zur Zeit läuft beim Sächsischen Schwimmverband ein Antrag drei Sportler als Kader zu bestätigen. So ist die Abteilung Schwimmen des USV TU Dresden e.V. eine Abteilung mit einem vielfältigen Angebot für ca. 700 Mitglieder: Nachwuchssport, Wasserball, Wassergymnastik, Freizeitsport, Winterschwimmen und Seniorenwettkampfsport prägen unser Leistungsangebot. Es entwickelt sich wieder das gesellige Leben im Verein. Maiwanderungen, Silvester- und Osterausfahrten, Herbstlager für Kinder sind ein nicht zu übersehender Anfang. Viele ehrenamtliche Helfer bringen sich ein – aber in unserem großen Verein könnten es noch mehr sein, die mit Ideen, Tatendrang oder Sponsoring das Vereinsleben bereichern.
Bernd Haring